von Silvia Schwaiger
“Einfach mal 24 Stunden nichts sagen und erleben, was passiert”, das war das Experiment, auf das sich vom 15.-17. Januar 2010, sieben junge Christen einließen.
Der Kaplan Fabian Orsetti (Pfarrei Maria Schutz Pasing) und die Pastoralreferentin Silvia Schwaiger (Kath. Jugendstelle Pasing) ermöglichten eine intensive Zeit der Rückbesinnung.
„Allein schon das andauernde Schweigen, egal, ob man sich auf dem Gang begegnet oder ob man miteinander isst, es versetzt einen in einen anderen Zustand, es bewirkt, dass man sich langsamer und bewusster bewegt. Das Schweigen außen bringt einen innen drin zur Ruhe.“ resümierte Christina B., Medizinstudentin (23). Eine weitere interessante Erfahrung war, dass die Gruppe diesmal nicht zum Austausch, sondern zum Haltgeben wichtig war. „Die anderen schaffen das, dann halte ich das auch durch!“ lautete die Devise bei allen.
Von Anfang an erläuterten die beiden Leiter, dass es bei diesem Experiment darum geht, mit seinen eigenen Tiefenschichten und mit Gott in Kontakt zu kommen. Das Schweigen dient dazu als Mittel. Es ist nicht Selbstzweck und kann deswegen auch individuell angegangen werden, ohne dass der Erfolg darunter leidet. Konkret: „Wenn du es nicht aushältst, dann schreib halt deiner Freundin eine SMS. Niemand kontrolliert das. Es bringt höchstens dich wieder durcheinander.“ Wichtig ist, auf sich zu achten, weder zu schnell aufzugeben, aber sich auch nicht zu quälen mit dem schweigen. Fingerspitzengefühl mit sich selbst üben, das ist die Aufgabe.
Das Schweigen kann einige gute, aber auch unangenehme Nebenwirkungen haben: etwas, dem ich mich sonst nicht recht stellen mag, trifft mich nun ungeschützt, oder ein Gefühl, das lang verschüttet war, kann zu Tage treten. Meist hat dieses offene Begegnen mit meinem Inneren und letztlich mit Gott aber reinigende Wirkung: die TeilnehmerInnen konnten ihre aktuellen Situationen in Familie, Partnerschaft und rund um Berufsentscheidungen in „aller Stille“ hinterfragen, neu austarieren und bekräftigen.
Hilfreich dazu waren die Impulse, die die Leiter einbrachten. Z.B. am Freitagabend marschierten wir je einzeln durch die winterliche Nacht. Elija, der am Horeb erst dann aus seiner schützenden Höhle tritt, als er Gott in der „Stimme verschwebenden Schweigens“ wahrnimmt, begleitete uns dabei.
Es schloss sich eine Übung an, bei der es darum ging, möglich gut hin zu hören und zu spüren, welche Gefühle das Erlauschte auslöste. So entstanden in verschiedenen Maltechniken „Bilder meiner Stille“.
Mit dem anschließenden Abendgebet war der Freitag zu ende und das Schweigen hatte nun definitiv begonnen.
Am Samstag, 16.Januar, stellten Fabian Orsetti und Silvia Schwaiger zunächst Begriffe für ein Schreibgespräch bereit: „leben“, „sorgen“ oder „Vater“. So vorbereitet klang die bekannte Bibelstelle „Macht euch keine Sorgen“ ganz neu. Anleitungen, wie die TN mit diesem Bibeltext umgehen könnten schlossen den Input ab.
Die Zeit zwischen den Einheiten und den Essen konnte von jeder und jedem frei gestaltet werden. Einige nutzten das Angebot eines seelsorglichen Gespräches, das in so einer intensiven Zeit sehr hilfreich sein kann.
Weitere Experimentierfelder des Samstags waren: Ausprobieren unterschiedlichster Gebetshaltungen, Gegenstandlose Meditation (20 min), Textbetrachtung mit allen Sinnen nach Ignatius von Loyola, und immer wieder gemeinsames Singen als einzige lautgebende Aktivität.
In der Eucharistiefeier am Samstagabend trafen die sehr persönlichen „Danksagungen“ für das Erlebte hervorragend mit schlichter Liturgie zusammen. Beim anschließenden Zusammensitzen im Bierstüberl bewiesen alle TeilnehmerInnen, dass sie das Reden tatsächlich noch konnten.
Da man auch bei sich sein kann, obwohl man redet, übten wir unter Anleitung am frühen Sonntagmorgen Qui – Gong. Der vormittägliche Sonntagsspaziergang über den Waldfriedhof bis zum Grab von Michael Ende brachte so manche Gespräche rund um erlebten Tod, Beerdigungen und auch über mögliche Vorstellungen bzgl. dem Leben danach. Ungeplant, tief, gut. Nach 24 Stunden Schweigen kamen ganz andere Fragen auf, als ich es sonst von jungen Menschen Anfang 20 gewohnt bin.
Die TeilnehmerInnen des Schweige – Wochenendes beteuerten, dass sie “so was“ gerne noch mal machen wollten, „aber dann schon länger, weil es ja grad erst angefangen hat“ wie es Simon S., Lehramtsstudent (23) zusammenfasste.
Die Leiter waren mit dem gesamten Verlauf des WE äußerst zufrieden. Auch die Kooperation zwischen Pfarrei und Jugendstelle lief für beide Seiten sehr bereichernd. Die Idee eines „nächsten Schweige WE“ greifen wir gerne auf. Auf Wunsch der TN soll zum Verzicht auf das Reden auch noch der Verzicht auf Luxus kommen. Voraussichtlich Anfang September 2010 wird dieses neue Experiment angeboten, vielleicht in Kooperation mit dem Mentorat für LehramtsstudentInnen (LMU).
Der Teilnehmer Valentin F. Schüler (19) hat bereits wenige Stunden nach Ende der Maßnahme einen beeindruckend – persönlichen Bericht auf Facebook publiziert. Zu lesen hier.






