Experimentelles Schweigen

von Silvia Schwaiger

“Einfach mal 24 Stunden nichts sagen und erleben, was passiert”, das war das Experiment, auf das sich vom 15.-17. Januar 2010, sieben junge Christen einließen.

Der Kaplan Fabian Orsetti (Pfarrei Maria Schutz Pasing) und die Pastoralreferentin Silvia Schwaiger (Kath. Jugendstelle Pasing) ermöglichten eine intensive Zeit der Rückbesinnung.
„Allein schon das andauernde Schweigen, egal, ob man sich auf dem Gang begegnet oder ob man miteinander isst, es versetzt einen in einen anderen Zustand, es bewirkt, dass man sich langsamer und bewusster bewegt. Das Schweigen außen bringt einen innen drin zur Ruhe.“ resümierte Christina B., Medizinstudentin (23). Eine weitere interessante Erfahrung war, dass die Gruppe diesmal nicht zum Austausch, sondern zum Haltgeben wichtig war. „Die anderen schaffen das, dann halte ich das auch durch!“ lautete die Devise bei allen.
Von Anfang an erläuterten die beiden Leiter, dass es bei diesem Experiment darum geht, mit seinen eigenen Tiefenschichten und mit Gott in Kontakt zu kommen. Das Schweigen dient dazu als Mittel. Es ist nicht Selbstzweck und kann deswegen auch individuell angegangen werden, ohne dass der Erfolg darunter leidet. Konkret: „Wenn du es nicht aushältst, dann schreib halt deiner Freundin eine SMS. Niemand kontrolliert das. Es bringt höchstens dich wieder durcheinander.“ Wichtig ist, auf sich zu achten, weder zu schnell aufzugeben, aber sich auch nicht zu quälen mit dem schweigen. Fingerspitzengefühl mit sich selbst üben, das ist die Aufgabe.
Das Schweigen kann einige gute, aber auch unangenehme Nebenwirkungen haben: etwas, dem ich mich sonst nicht recht stellen mag, trifft mich nun ungeschützt, oder ein Gefühl, das lang verschüttet war, kann zu Tage treten. Meist hat dieses offene Begegnen mit meinem Inneren und letztlich mit Gott aber reinigende Wirkung: die TeilnehmerInnen konnten ihre aktuellen Situationen in Familie, Partnerschaft und rund um Berufsentscheidungen in „aller Stille“ hinterfragen, neu austarieren und bekräftigen.
Hilfreich dazu waren die Impulse, die die Leiter einbrachten. Z.B. am Freitagabend marschierten wir je einzeln durch die winterliche Nacht. Elija, der am Horeb erst dann aus seiner schützenden Höhle tritt, als er Gott in der „Stimme verschwebenden Schweigens“ wahrnimmt, begleitete uns dabei.
Es schloss sich eine Übung an, bei der es darum ging, möglich gut hin zu hören und zu spüren, welche Gefühle das Erlauschte auslöste. So entstanden in verschiedenen Maltechniken „Bilder meiner Stille“.
Mit dem anschließenden Abendgebet war der Freitag zu ende und das Schweigen hatte nun definitiv begonnen.
Am Samstag, 16.Januar, stellten Fabian Orsetti und Silvia Schwaiger zunächst Begriffe für ein Schreibgespräch bereit: „leben“, „sorgen“ oder „Vater“. So vorbereitet klang die bekannte Bibelstelle „Macht euch keine Sorgen“ ganz neu. Anleitungen, wie die TN mit diesem Bibeltext umgehen könnten schlossen den Input ab.
Die Zeit zwischen den Einheiten und den Essen konnte von jeder und jedem frei gestaltet werden. Einige nutzten das Angebot eines seelsorglichen Gespräches, das in so einer intensiven Zeit sehr hilfreich sein kann.
Weitere Experimentierfelder des Samstags waren: Ausprobieren unterschiedlichster Gebetshaltungen, Gegenstandlose Meditation (20 min), Textbetrachtung mit allen Sinnen nach Ignatius von Loyola, und immer wieder gemeinsames Singen als einzige lautgebende Aktivität.
In der Eucharistiefeier am Samstagabend trafen die sehr persönlichen „Danksagungen“ für das Erlebte hervorragend mit schlichter Liturgie zusammen. Beim anschließenden Zusammensitzen im Bierstüberl bewiesen alle TeilnehmerInnen, dass sie das Reden tatsächlich noch konnten.
Da man auch bei sich sein kann, obwohl man redet, übten wir unter Anleitung am frühen Sonntagmorgen Qui – Gong. Der vormittägliche Sonntagsspaziergang über den Waldfriedhof bis zum Grab von Michael Ende brachte so manche Gespräche rund um erlebten Tod, Beerdigungen und auch über mögliche Vorstellungen bzgl. dem Leben danach. Ungeplant, tief, gut. Nach 24 Stunden Schweigen kamen ganz andere Fragen auf, als ich es sonst von jungen Menschen Anfang 20 gewohnt bin.
Die TeilnehmerInnen des Schweige – Wochenendes beteuerten, dass sie “so was“ gerne noch mal machen wollten, „aber dann schon länger, weil es ja grad erst angefangen hat“ wie es Simon S., Lehramtsstudent (23) zusammenfasste.
Die Leiter waren mit dem gesamten Verlauf des WE äußerst zufrieden. Auch die Kooperation zwischen Pfarrei und Jugendstelle lief für beide Seiten sehr bereichernd. Die Idee eines „nächsten Schweige WE“ greifen wir gerne auf. Auf Wunsch der TN soll zum Verzicht auf das Reden auch noch der Verzicht auf Luxus kommen. Voraussichtlich Anfang September 2010 wird dieses neue Experiment angeboten, vielleicht in Kooperation mit dem Mentorat für LehramtsstudentInnen (LMU).

Der Teilnehmer Valentin F. Schüler (19) hat bereits wenige Stunden nach Ende der Maßnahme einen beeindruckend – persönlichen Bericht auf Facebook publiziert. Zu lesen hier.

Die andere Krippenfeier: Krippenspiel – reloaded

von Silvia Schwaiger

10:30 Uhr am wunderschönen bitterkalten Sonntagmorgen, 20.12.2009. München-Aubing. Katholische Kirche St. Quirin: Jugendgottesdienst.
Statt dem Üblichen bot sich hier ein ganz besonderer Gottesdienst: Wir erleben: Ein Mann und eine Frau bekommen ein Kind, unerwartet. Er hilft nicht im Haushalt, arbeitet viel. Sie fühlt sich im Stich gelassen, tut sich schwer mit dem Kind. Stress auf allen Seiten. Gezicke und Streit.
Wie bei uns – wie jeden Tag.

Aber es ist die Weihnachtsgeschichte – reloaded.

In unsere Sprache übertragen wird die Geschichte nah, anrührend, greifbar. Verliert Glitter – Glanz und gewinnt Aussagekraft für mich, für Weihnachten 2009. Ein Erlebnis!
So also kann Kirche auch sein: so nah, so gut und so glaubens-lebens-bereichernd.

Was in diesem Gottesdienst geschah, ist der Idealfall von Gottesdienst: Die liturgischen Bibel-Texte des Tages werden lebendig. Das geschieht vor allem, weil der Auftrag und die Freiheit da sind, dass Talente zusammen spielen können: da ist die neu gegründete Band, dazu unter der Leitung eines kompetenten Ehrenamtlichen das Vorbereitungs-Team, das im Vorfeld das Gesamtkonzept des GD entworfen hat und im GD selbst einige Szenen zur Illustration spielt, dann ein Jugendseelsorger, der das Hochgebet wunderschön singt, auch eine Gemeinde, die mitgeht…… So viele Charismen wirken ergänzend und bereichernd zusammen, dass für alle Beteiligten ein erfüllender Gottesdienst erlebbar wird.

Die Mitarbeiter der Jugendstelle Pasing haben im Vorfeld den Leiter der Vorbereitungsteams beraten, wie denn die Vorbereitung zu einem Jugendgottesdienst gehen kann, denn er hat diese Aufgabe erst kurz inne. Diese Anregungen genügten und es entstand eine Dynamik, die Fortsetzung finden wird. Nicht nur in weiteren Jugendgottesdiensten sondern diese Art der Charismen-Zusammenarbeit wird sich auch auf andere Bereiche der Jugendpastoral in St. Quirin positiv auswirken. Da bin ich mir sicher.

P.S.: Gekrönt wurde der Gottesdienst vom Schlusslied: auf den Beat von „We will rock you“ sang die Band „Heller Stern in der dunklen Nacht“. Da muss man erst mal drauf kommen, das zu verknüpfen! Klang aber super. Der Ohrwurm hält sich schon 2 Tage… Jetzt kann Weihnachten kommen.

You’ll never walk alone – Der Pasinger Adventsausflug 2009

von Valentin Feneberg

Pasing steht seinen Mann. Und natürlich seine Frau. Denn besonders weihnachtlich war das Wetter nicht in diesem Jahr, beim traditionellen Adventsausflug des Dekanats Pasing, den wie immer die Jugendstelle in Kooperation mit der kjg Pasing veranstaltete. Eher herbstlich bis richtig scheußlich, um genau zu sein. Davon allerdings ließen sich die Teilnehmer und Teilnehmerinnen nicht abbringen, es schien das Gegenteil der Fall zu sein: Über 30 junge Menschen kamen um mit zu wandern, eine beachtliche Zahl wenn man die Witterung betrachtete. Aber die ist eben nicht alles. Getreu dem Motto, es gibt kein falsches Wetter, sondern nur falsche Klamotten, machte man sich also vom Pasinger Bahnhof auf, um den, zu diesem Zeitpunkt noch geheimen, Ort des Ausfluges zu erreichen. Los ging es dann im schönen Geisenbrunn, wo man durch den feucht fröhlichen Abend bis zur Pfarrei St. Sebastian in Gilching wanderte, begleitet von spirituellen Stationen mit Musik, Gedichten und anderen Texten, die selbst diesen nassen und kalten Weg weitgehen erträglich machten.

Und spätestens mit dem Erreichen des Zielortes war jeder Frust vergessen, der Glühwein wurde warm gemacht, das Gullasch aufgekocht und die Plätzchen ausgepackt – eben ein traditioneller Pasinger Adventsausflug . Glücklicherweise sind die Jugendräume von St. Sebastian mehr als weitläufig, denn auch die dort ansässige Jugend gesellte sich noch zu der ohnehin schon großen Gruppe und feierte mit, sofern sie natürlich nicht sowieso schon bei der Wanderung dabei war.

Bis in den späten Abend ging die kleine Adventsfeier, und jeder einzelne Veranstalter war sich wieder einmal sicher, als er den Blick über den vollen Keller in Gilching streifen ließ: Das ist katholische Jugendarbeit. Wie sie leibt und lebt.

Chancen und Risiken sozialer Netzwerke

von Stefan Marschall

Soziale Treffpunkte wie SchuelerVZ, Facebook und My Space verzeichneten in den letzten Jahren enorme Zuwachsraten. 81 Prozent der 14-19-Jährigen sind Mitglied in einem solchen Netzwerk, viele sogar in mehreren. SchuelerVZ gehört zu den deutschen Seiten mit den meisten Seitenaufrufen. Das zeigt das geballte Interesse der jugendlichen Nutzerinnen und Nutzer. [...]

Gerade beim Beginn der Pubertät ist für Jugendliche die Gestaltung der eigenen Identität als persönliches Profil in sozialen Netzwerken interessant. Dazu gehört die Darstellung der eigenen Person und das Interesse, wie Freunde einen selbst sehen. Dabei lässt sich die Öffentlichkeit graduell wählen, und man gewinnt einen Eindruck von der Darstellung anderer Personen.

Von der ganzen Bandbreite sozialer Kontaktpflege und dem Anknüpfen neuer Beziehungen bietet die Social Community Jugendlichen vor allem die Möglichkeit, aktuelle lockere Beziehungen zu pflegen und neue anzuknüpfen. Und zwar weniger in der großen weiten Welt des WWW, sondern im nahen realen Lebensumfeld.

Das Schreiben von Nachrichten, das Verschicken von Fotos und Videos und anderer virtueller “Geschenke” wird zur Beziehungspflege. Das Internet hat dabei seinen festen Platz im Medien-Ensemble von Jugendlichen, neben Handy und MP3-Player. [...]

(Quelle: rpi virtuell)

Wie aus diesem Artikel der evangelischen Kollegen hervor geht, sind soziale Netzwerke im Internet ein Teil der Lebenswelt junger Menschen. Da die kirchliche Jugendarbeit sich zum Ziel gesetzt hat, dort präsent und zweckdienlich zu sein, wo junge Menschen ihr Leben gestalten, halte ich es für angebracht, das personale Angebot auch auf diese virtuellen Räumen auszuweiten.

Die Teilnahme an solchen Netzwerken bietet für Mitarbeiter/innen in der Jugendseelsorge, eine gute Gelegenheit, mit Jugendlichen in Kontakt zu sein und selbst als Person greifbarer zu werden.

Natürlich stellt sich immer die Frage, welche persönlichen Informationen man mit Jugendlichen teilen möchte. Diese Entscheidung muss letztendlich jeder für sich selbst treffen. Informationen über den Musikgeschmack und andere persönliche Interessen dienen allerdings häufig als “Türöffner” für den näheren Kontakt zu Jugendlichen. Besonders älteren männlichen Kollegen mag es komisch vorkommen, jungen Frauen in Netzwerken ihre “Freundschaft” anzubieten. Diese Bedenken halte ich aus eigener Erfahrung allerdings für unbegründet. Jugendliche unterscheiden sehr wohl zwischen realen und virtuellen Freunden. Bei den Lokalisten ist  z.B. der Münchner Oberbürgermeister mit ca. 2000 jungen Menschen befreundet.

Neben den Möglichkeiten der Kontaktpflege und der direkten Interaktion bergen online Netzwerke leider auch Risiken. Wo persönliche Daten veröffentlicht werden, besteht natürlich die Gefahr des Mißbrauchs. Besonders auf internationalen Plattformen wie Facebook gibt es immer wieder Lücken im Datenschutz. Die daraus resultierenden Gefahren werden meines erachtens aber häufig überschätzt, denn die Folgen dieses Datenmißbrauchs äußern sich in der Regel nur in lästigen Spam-Mails.

Daneben gibt es weitere Risiken in der neuen Welt der grenzenlosen Kommunikation – die eben doch Grenzen hat. Der sozialen Netzwerk-Plattform bringen Jugendliche einen zu großen Vertrauensvorschuss entgegen. Die emotionale Überbewertung von Kontakten, indem sie vermeintlich “Seelenverwandte” im Netz entdecken, teilen sie dabei mit vielen Erwachsenen.

Es kann geschehen, dass Jugendliche die Privatsphäre und Persönlichkeitsrechte anderer verletzen (“aus Versehen an alle geschickt”). Sie können unter einem negativen Online-Image leiden (“E-Reputation”).

Das Internet vergisst nichts, heißt es, und vermeintlich lustige Partyfotos können später leicht zum Problem werden. Diese Einschätzung dürfte sich, so Döring, allerdings in Zukunft relativieren, einfach dadurch, dass massenhaft persönliche Profile erstellt werden. Viele Arbeitgeber würden es eher schätzen, wenn Bewerber im Netz “sozial präsent” sind.

Gefährdet sind Jugendliche auch durch ihresgleichen: Mobbing, Cyberbullying und Stalking via Netz. Im Wettbewerb um Beliebtheit setzen sie sich selbst unter Druck, denn die Freundesanzahl wird hier ja erstmals öffentlich dokumentiert. Emotionen wie Eifersucht oder Kontrollwünsche verstärken sich. Auch Beziehungskonflikte werden hemmungsloser ausgetragen. Beziehungsabbrüche drohen sehr viel ungebremster und soziale Ausgrenzung kann sich effektiver auswirken.

Die große Herausforderung an soziale Kompetenz besteht in der Sichtbarkeit der digitalen Interaktion für alle: Wie kann man als Jugendliche(r) es verkraften, wenn ein “Freundschafts”-link für alle anderen sichtbar gelöscht wird ?
(Quelle: rpi virtuell)

Web 2.0 – Plädoyer für die Sozialen Medien im Internet

von Stefan Marschall

Das Internet ist das digitale Herz der globalisierten Welt. Aus diesem Netz kommen wir nicht mehr heraus. Selbst wenn wir offline sind, sind wir drinnen – und werden es auch bleiben. Von Suhrkamp-Autor Stefan Münker.

Menschen bauen gerne Netze. Schon sehr lange, sehr erfolgreich und auf unterschiedlichste Weise: Die Straßen und Aquädukte, die das römische Reich in der Antike durchzogen, waren nicht der Anfang, die elektrischen Stromleitungen, die Telefonkabel und die Pipelines für Öl oder Gas unserer Moderne sind nicht das Ende der Vernetzungsgeschichte. Unsere gesamte Zivilisation ist auch ein Prozess zunehmender Netzverdichtung. Dichter als heutzutage allerdings war die Vernetzung noch nie: Und das liegt – Sie ahnen es – am Internet, dessen digitale Fäden mittlerweile die ganze Welt (wenn auch regional unterschiedlich eng) umsponnen halten.
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Da Online-Netzwerke vor allem von Jugendlichen und jungen Erwachsenen genutzt werden, halte ich es für notwendig, dass auch das “Personale Angebot” der kirchlichen Jugendarbeit im Web 2.0 in Anspruch genommen werden kann.

Das beliebtestes Netzwerk bei Münchner Jugendlichen war in den letzten Jahren lokalisten.de, doch nun nutzen immer mehr das umfangreichere Angebot von facebook. Bei facebook hat die Jugendstelle Pasing seit September eine eigene Seite, über die wir uns mit interessierten Jugendlichen vernetzen und Veranstaltungen bewerben können. Aktuelle Neuigkeiten aus der Jugendstelle können zudem auch über Twitter abonniert werden.

Jugendkorbinian und Jugendforum

von Stefan Marschall

Jetzt ist es schon wieder fast eine Woche her, das Korbi-Wochenende. Selbstverständlich war das Team der Jugendstelle dabei. Wir haben am Samstag beim Jugendforum mitgeholfen und am Sonntag einen Workshop zum Thema “Jugendkultur und Musik” angeboten.

Besonders gespannt waren wir auf das Jugendforum. Am Morgen und am frühen Nachmittag hatten die Jugendlichen zunächst Gelegenheit, in Workshops mit Expert/innen über verschiedene Themen aus dem Bereich Glaube und Kirche ins Gespräch zu kommen. In den Workshops wurden “Herausforderungen” formuliert, die später auf Plakaten veröffentlicht wurden.

Aus diesen “Herausforderungen” wählten die Teilnehmer/innen dann die Themen für das “Aktive-Plenum” mit Erzbischof Reinhard Marx. Bei dieser Podiumsdiskussion wurde lebhaft über Gleichberechtigung in kirchlichen Ämtern, die Haltung der Kirche zu Sexualität sowie zur Ökumene diskutiert.

Für unsere Arbeit besonders interessant war die Forderung nach einer verpflichtenden Schulung für hauptamtliche Mitarbeiter im Umgang mit Ehrenamtlichen. Bei diesem Thema wurde deutlich, dass viele engagierte Jugendliche in den Pfarreien offenbar zu wenig Unterstützung und Anerkennung durch Hauptamtliche erfahren und ihnen häufig ein Ansprechpartner zur Beratung bei persönlichen Problemen fehlt.

Diese Problematik wurde auch bei unserem letzten Pfarrjugendleiter/innen-Treffen am 9. November deutlich. In Vorbereitung auf das Jugendforum hatten wir die Ehrenamtlichen danach gefragt, was in ihren Pfarreien gut läuft, was schwierig ist und wo sie Veränderungsbedarf sehen, um die Kirche für Jugendliche wieder attraktiver zu machen.

Während einige Ehrenamtliche sehr zufrieden sind mit der Unterstützung durch die Jugendseelsorger vor Ort, klagen andere über mangelnde Unterstützung durch Pfarrer, Kirchenverwaltung und Pfarrgemeinderat. Im Umgang mit Erwachsenen in der Gemeinde nehmen sie häufig ein diffuses, oft unterschwelliges Misstrauen gegenüber der Jugend wahr, das sie als demotivierend empfinden. Kritisiert wurden auch die Öffnungszeiten der Pfarrbüros und der damit verbundene schwierige Zugang zu den Jugendräumen. Die Pfarrjugendleiter/innen wünschen sich kompetente Hauptamtliche, die Verständnis für die Jugend aufbringen und sie in ihren Anliegen unterstützen. Für die Gottesdienste wünschen sie sich mehr Kreativität in der Gestaltung, jugendgemäße Musik und ansprechende Predigten.

Wir werden uns Gedanken machen müssen, wie wir das “Personale Angebot” für Jugendliche verbessern können und wie wir in den Gemeinden für mehr Wertschätzung gegenüber der Jugendarbeit sorgen können.

Artikel zum Jugendforum:

Und jetzt geh! – Exerzitien im Alltag für Jugendliche: Geht das?

von Silvia Schwaiger

Kopie von Exerzitien-Postkarte

Das fällt mir schwer, weil ich noch nie so intensiv über mich selbst nachgedacht habe!“, sagte eine der Teilnehmerinnen (22) zu Beginn der Exerzitien im Alltag, die vom 12. bis 17. Oktober 2009 an der Jugendstelle Pasing stattfanden.

Mir wurde geholfen, die Bibelstellen des Exodus auf mein Leben übertragen zu können. So etwas habe ich noch nie erlebt“, lautete das Schussresümee derselben Teilnehmerin nach der Exerzitienwoche am Samstagabend.

Was war inzwischen geschehen?

Die Idee an der Jugendstelle Pasing „Exerzitien im Alltag“ anzubieten, hatte Pastoralreferentin Silvia Schwaiger schon seit sie ihre Aufgaben an der Jugenstelle übernahm. Eine willkommene Gelegenheit für die Umsetzung ergab sich, als die Münchner Jesuiten anlässlich ihrer 450 Jahrfeier „etwas für Jugendliche anbieten“ wollten und sich dazu Unterstützung durch das Erzbischöfliche Jugendamt erfragten.

So kamen in einem Vorbereitungsteam unter der Federführung von Pater Willi Lambert SJ zwei weitere Jesuiten (Pater Patrick Zoll SJ, Kaplan in München St. Korbinian und Pater Dominik Markl SJ, Doktorand), zwei Mitarbeiter des Erzbischöflichen Jugendamtes (Markus Grimm, Referent für Religiöse Bildung und Silvia Schwaiger, Pastoralreferentin an der Jugendstelle Pasing) sowie eine Pastoralreferentin im Schuldienst (Dr. Katharina D. Oppel) zusammen. Die Vorbereitungszeit dauerte ein volles Jahr. Leider meldeten sich bis zum Anmeldeschluss für die Exerzitien im Alltag nur fünf Teilnehmer an – das geplante Großprojekt musste ausfallen.

Um aber den fünf angemeldeten Teilnehmer daraus keinen Schaden entstehen zu lassen, übernahm Silvia Schwaiger die Veranstaltung und führte sie alleine an der Jugendstelle Pasing durch. Sie wurde um zwei Tage gekürzt und natürlich flossen die Ergebnisse der einjährigen Vorbereitungsarbeit mit ein.
Das Motto blieb:“Und jetzt geh!“ – Wege für Gottsucher: das zweite Buch der Bibel „Exodus“ sollte Anregungen bieten, Auf- und Umbrüche im Leben der Teilnehmer unter die Lupe zu nehmen.
Gleich zu Beginn der Exerzitien im Alltag wurden zwei der zwischen 19 und 22 Jahre alten Teilnehmerinnen krank und das erste Treffen am Sonntag 11. Oktober 2009 entfiel: Das war kein günstiger Start und auch die Motivation war am Kippen. Beim ersten Treffen, der nun mehr aus vier Teilnehmerinnen bestehenden Gruppe am Montag 12. Oktober 2009 vereinbarte man ein im Alltag der Teilnehmerinnen gut machbares Programm.

Bei jedem abendlichen Treffen wurde zuerst um 18 Uhr eine Kleinigkeit gegessen. Eine Teilnehmerin bereitete diesen Abendimbiss immer hervorragend vor. Der inhaltliche Teil begann dann jeweils um 18.30 Uhr mit einem kurzen Rückblick auf den vergangenen Tag. Daraufhin wurde jeden Abend eine neue Bibel-Textstelle gelesen, die Möglichkeiten zur Übertragung in den Alltag aufgezeigt und das „Reisetagebuch“ ausgegeben. Das Reisetagebuch war ein DIN A 6-Blatt, auf dem auf der Vorderseite die Textstelle und auf der Rückseite drei Impulsfragen zu lesen waren. Jede Teilnehmerin konnte sich entscheiden, welcher der drei Fragen sie im Laufe des kommenden Tages – mitten im Alltag – immer wieder nachspüren wollte.

Bei der Textstelle, in der die Israeliten gespeist werden durch Brot, das vom Himmel fällt („Manna“) lautete die Aufgabe beispielsweise: Wenn du durch die Straßen gehst: Wo wird dir auf einem Plakat, durch Menschen, durch Lieder, durch Blumen oder Gerüche etwas geschenkt, was deine Laune verbessert oder dir sonst wie gut tut? Mit einer solchen „Beobachtungsaufgabe“ durch den Tag zu gehen bewirkt, dass man seinen „inneren Sensor“ höher schaltet, dass man bewusster lebt und das ist die Absicht von „Exerzitien im Alltag“. Solche Übungen zum Übertragen der Bibelstelle auf das eigene Leben bildeten den Hauptteil der „Exerzitien im Alltag“.
Die wirklich intensiven Abendtermine waren dann jeweils mit einem kurzen liturgischen Abschluss bei Kerzenschein gegen 21 Uhr zu Ende.

Bei den fünf Treffen ging es um folgende Themen:
1) Mir meiner Herkunft(sfamilie) bewusst werden mit all ihren positiven und negativen Elementen,
2) Getreu dem Motto der Tage „Und jetzt geh!“: Wohin breche ich auf?,
3) Wie mit (inneren) Widerständen umgehen?,
4) Wüsten – Erfahrungen: Ich komme nicht recht weiter in meinem Aufbruch,
5) Ungeahnte Hilfen auf dem langen Weg („Manna“),
6) Sortieren der Erfahrungen: Was behalte ich bei?, Was lasse ich zurück?

Besonders schön war die Eucharistiefeier zum Abschluss am Samstag, zu dem Pater Dominik Markl SJ an die Jugendstelle Pasing gekommen war. Gekrönt wurde der Abend von einem gemeinsamen Festessen, zum dem auch Partner einzelner Teilnehmerinnen kamen. Gut begleitet wusste sich die Exerzitiengruppe außerdem, weil sich zwei der Mitglieder aus dem Vorbereitungsteam während der Exerzitienwoche immer wieder erkundigten und in Gedanken während der Woche bei ihnen waren.

Trotz der verkürzten Anzahl der Treffen ist bei den Teilnehmerinnen ein guter geistlicher Prozess in Gang gekommen. Sie lernten einige Methoden kennen, die Ignatius von Loyola, der Begründer der Exerzitien, vorschlägt: Textbetrachtung mit allen Sinnen, Unterscheidung der Geister sowie das Gebet der liebenden Aufmerksamkeit. Darüber hinaus hatten die Teilnehmerinnen erste Berührungen mit der Methode des Bibelteilens, mit Meditation und dem Umgang mit inneren Widerständen. „Für fünf Tage eine ganze Menge an neuen geistlichen Methoden“, fanden sie. Der Wechsel zwischen dem Austausch in der Gruppe und den Erfahrungen mit sich selbst förderte klärende Prozesse. Außerdem übten die Teilnehmerinnen neu ein, wie sie mit dem eigenen Innenleben betend vor Gott kommen können.
All diese Erfahrungen haben den Teilnehmerinnen gut getan. Sicher gibt es an Form und Umfang der Treffen manches zu verändern, so dass noch mehr Jugendliche und Junge Erwachsene die Zeit finden, mit zu machen.

„Es war toll, neue Methoden gezeigt zu bekommen, wie es Spaß machen kann, mich mit mir selbst zu beschäftigen. Außerdem habe ich jetzt einen anderen Zugang zur Bibel und weiß, wie ich meinen Glauben im Alltag trotz allem gut leben kann.“ resümierte eine Teilnehmerin. So hat sich der Aufwand, die „Exerzitien im Alltag für Jugendliche“ durchzuführen, aus Sicht von Silvia Schwaiger voll und ganz gelohnt. „Es hat mir sehr viel Freude bereitet, die Teilnehmerinnen begleiten und ihre Fortschritte und Entwicklungen sehen zu dürfen.“

„Exerzitien im Alltag“ werden sicher wieder an der Jugendstelle Pasing angeboten. Davor gibt es im Januar 2010 ein Schweige-Wochenende, bei dem junge Erwachsene und Jugendliche ab 18 Jahren erleben können, was mit ihnen passiert, wenn sie 24 Stunden „einfach mal die Klappe halten“. Dabei werden sie von einem Priester, Kaplan Fabian Orsetti (Maria Schutz) und Silvia Schwaiger begleitet.

Neues Jugendarbeitsjahr

Stefan Marschall

Am 18. September feierten wir zusammen mit der kjg Pasing den Auftakt des neuen Jugendarbeitsjahres mit unserer traditionellen Sommersilvester-Party. Highlights der Veranstaltung waren das Karaoke-Singen mit Singstar und die mitternächtlichen “Moments of Spirit”, die der kjg Spiri-AK vorbereitet hatte.

sommersilvester09

Für das neue Jahr haben wir uns viel vorgenommen und stecken bereits mitten in der Planung und Vorbereitung verschiedener Maßnahmen:

In den Herbstferien gibt es einen Gruppenleiteraufbaukurs für erfahrene Jugendleiter/innen ab 18 Jahren. Dieser wird vom kjg Kursleiterkreis Pasing/FFB eigenverantwortlich organisiert. Wir unterstützen die Kursleiter/innen beim Versand, bei der Materialbestellung sowie bei der Abrechnung des Kurses.

Im Rahmen der traditionellen Jugendkorbinianswallfahrt am 14./15. November findet in diesem Jahr auch ein Jugendforum statt, dort haben Jugendliche die Möglichkeit, ihre Wünsche und Hoffnungen an eine Kirche der Zukunft zu formulieren und mit dem Erzbischof ins Gespräch zu kommen. Die kjg Pasing wird daran teilnehmen und die Jugendstelle veranstaltet in Freising einen Workshop zum Thema “Jugendkultur und Musik”.

Am 11. Dezember veranstalten wir zusammnen mit der kjg einen  “Adventsausflug” als spirituelles Angebot für Jugendliche in der Vorweihnachtszeit.

Weitere Grund- und Aufbaukurse für Jugendleiter/innen werden in den Osterferien angeboten.

Im Mai 2010 findet in München der 2. Ökumenische Kirchentag statt und die Planungen für diesen Event laufen bereits auf vollen Touren. Die kjg Pasing beteiligt sich am Projekt “Arche 2010” und ich selbst bin in die strategischen Planungen der Leitung des Erzbischöflichen Jugendamtes eingebunden.

Zuguterletzt plant die kjg Pasing in Kooperation mit der kjg Fürstenfeldbruck ein großes Kinderfest in Germering. Am 19. Juni wird auf dem Gelände der Pfarrei St. Johannes Bosco ein “Zirkustag” für Kinder zwischen 8 und 14 Jahren veranstaltet.

PACOS an der Hauptschule

Stefan Marschall

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Mit der Workshopreihe “Anfangssituationen in Schulklassen” startete unser Schulprojekt PACOS im September in sein drittes Jahr.

In den letzten beiden Schuljahren haben wir kontinuierlich mit der Hauptschule an der Peslmüllerstraße kooperiert. Fester Bestandteil der erfolgreichen Zusammenarbeit sind die Workshopreihen am Anfang und zum Abschluss des Schuljahres sowie das Angebot der Nachmittagsbetreuung.

Im vergangenen Schuljahr haben wir zudem eine ergänzende Workshopreihe im Februar/März unter dem Motto “Kooperation und Zusammenhalt” mit acht Klassen durchgeführt.

Ein neues Angebot, das wir im Juni erstmals mit einer 7. Klasse getestet haben, nennen wir “Orientierungsstunde”. Nach einer Berufspraktikumswoche hatten die Jugendlichen Gelegenheit, in Kleingruppen von jeweils fünf Schüler/innen, die individuellen Erfahrungen des Praktikums zu reflektieren und miteinander über ihre Zukunftsvorstellungen ins Gespräch zu kommen.

Diese “Orientierungsstunden” dauern 90 Minuten und finden während des Unterrichts in einem seperaten Raum statt. Wichtig ist dabei die freiwillige Teilnahme der Jugendlichen. Methodisch gestalten wir das Angebot wie eine thematische Gruppenstunde in der kirchlichen Jugendarbeit. Im Mittelpunkt steht dabei die Persönlichkeitsentwicklung und das Einüben von partnerschaftlichen Umgangsformen in der Gruppe.

Patroinvasion – Ministrantenpastoral im Dekanat Pasing

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…Eine Invasion von Minis war es nicht gerade, aber es war schön!

Aber von vorne:

Vor einigen Jahren wurde im Kreis der Oberminis des Dekanates Pasing folgende Idee geboren: den festlichen Patroziniums-Gottesdienst einer Pfarrei sollten weitere MinistrantInnen aus möglichst vielen anderen Pfarreien bereichern. In St. Konrad startete dieses Projekt sehr erfolgreich (über 100 Minis).

Dann war in jedem folgenden Jahr die Tendenz zu beobachten, dass die MinistrantInnen aus anderen Pfarreien weniger wurden.

So war nun St. Michael am 27.09.09 Gastbeger einer “Patroinvasion”, die gar keine war. Trotz intensiver Werbung von Seiten der Jugendstelle Pasing und der Oberminis St. Michael, waren keine Minis aus anderen Pfarreien beim Patroziniums-Gottesdienst in Lochhausen vertreten.

Die in der eher kleinen Kirche impossanten 30 Minis aus St. Michael ließen jedoch keinen Frust aufkommen. Sie waren nach der feierlichen Messe zu einem gemeinsamen Essen eingeladen, das ihnen die Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Claudia Baron und Manfred Wohner zubereitet hatten.

Danach ging es unter der Leitung der vier Oberminis auf die “Panzerwiese” zum Baseball. Eine hervorragende Idee bei dem Traumwetter, denn von jung (8 Jahre) bis alt (22 Jahre) konnten alle 30 Minis mitspielen.

Eine herrliche Nachspeise lockte sie schießlich wieder ins Pfarrheim zurück.
Die abschließende Reflexionsrunde ergab, dass dieser Sonntagnachmittag für die Lochhausener MinistrantInnen ein voller Erfolg war und sie sich eine Wiederholung wünschen.

Das Entfallen der PatroInvasion hat also zumindest in der Pfarrei St. Michael etwas Gutes bewirkt: mehr Zusammenhalt, Spaß und eine neue Aktion für die Minis.

Was mit der Idee “Patro-Inavsion” auf Dekanatsebene geschieht, werden wir beim nächsten Treffen der Oberminis (30.10.09 in Gauting) bereden und entscheiden.

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