von Silvia Schwaiger

„Das fällt mir schwer, weil ich noch nie so intensiv über mich selbst nachgedacht habe!“, sagte eine der Teilnehmerinnen (22) zu Beginn der Exerzitien im Alltag, die vom 12. bis 17. Oktober 2009 an der Jugendstelle Pasing stattfanden.
„Mir wurde geholfen, die Bibelstellen des Exodus auf mein Leben übertragen zu können. So etwas habe ich noch nie erlebt“, lautete das Schussresümee derselben Teilnehmerin nach der Exerzitienwoche am Samstagabend.
Was war inzwischen geschehen?
Die Idee an der Jugendstelle Pasing „Exerzitien im Alltag“ anzubieten, hatte Pastoralreferentin Silvia Schwaiger schon seit sie ihre Aufgaben an der Jugenstelle übernahm. Eine willkommene Gelegenheit für die Umsetzung ergab sich, als die Münchner Jesuiten anlässlich ihrer 450 Jahrfeier „etwas für Jugendliche anbieten“ wollten und sich dazu Unterstützung durch das Erzbischöfliche Jugendamt erfragten.
So kamen in einem Vorbereitungsteam unter der Federführung von Pater Willi Lambert SJ zwei weitere Jesuiten (Pater Patrick Zoll SJ, Kaplan in München St. Korbinian und Pater Dominik Markl SJ, Doktorand), zwei Mitarbeiter des Erzbischöflichen Jugendamtes (Markus Grimm, Referent für Religiöse Bildung und Silvia Schwaiger, Pastoralreferentin an der Jugendstelle Pasing) sowie eine Pastoralreferentin im Schuldienst (Dr. Katharina D. Oppel) zusammen. Die Vorbereitungszeit dauerte ein volles Jahr. Leider meldeten sich bis zum Anmeldeschluss für die Exerzitien im Alltag nur fünf Teilnehmer an – das geplante Großprojekt musste ausfallen.
Um aber den fünf angemeldeten Teilnehmer daraus keinen Schaden entstehen zu lassen, übernahm Silvia Schwaiger die Veranstaltung und führte sie alleine an der Jugendstelle Pasing durch. Sie wurde um zwei Tage gekürzt und natürlich flossen die Ergebnisse der einjährigen Vorbereitungsarbeit mit ein.
Das Motto blieb:“Und jetzt geh!“ – Wege für Gottsucher: das zweite Buch der Bibel „Exodus“ sollte Anregungen bieten, Auf- und Umbrüche im Leben der Teilnehmer unter die Lupe zu nehmen.
Gleich zu Beginn der Exerzitien im Alltag wurden zwei der zwischen 19 und 22 Jahre alten Teilnehmerinnen krank und das erste Treffen am Sonntag 11. Oktober 2009 entfiel: Das war kein günstiger Start und auch die Motivation war am Kippen. Beim ersten Treffen, der nun mehr aus vier Teilnehmerinnen bestehenden Gruppe am Montag 12. Oktober 2009 vereinbarte man ein im Alltag der Teilnehmerinnen gut machbares Programm.
Bei jedem abendlichen Treffen wurde zuerst um 18 Uhr eine Kleinigkeit gegessen. Eine Teilnehmerin bereitete diesen Abendimbiss immer hervorragend vor. Der inhaltliche Teil begann dann jeweils um 18.30 Uhr mit einem kurzen Rückblick auf den vergangenen Tag. Daraufhin wurde jeden Abend eine neue Bibel-Textstelle gelesen, die Möglichkeiten zur Übertragung in den Alltag aufgezeigt und das „Reisetagebuch“ ausgegeben. Das Reisetagebuch war ein DIN A 6-Blatt, auf dem auf der Vorderseite die Textstelle und auf der Rückseite drei Impulsfragen zu lesen waren. Jede Teilnehmerin konnte sich entscheiden, welcher der drei Fragen sie im Laufe des kommenden Tages – mitten im Alltag – immer wieder nachspüren wollte.
Bei der Textstelle, in der die Israeliten gespeist werden durch Brot, das vom Himmel fällt („Manna“) lautete die Aufgabe beispielsweise: Wenn du durch die Straßen gehst: Wo wird dir auf einem Plakat, durch Menschen, durch Lieder, durch Blumen oder Gerüche etwas geschenkt, was deine Laune verbessert oder dir sonst wie gut tut? Mit einer solchen „Beobachtungsaufgabe“ durch den Tag zu gehen bewirkt, dass man seinen „inneren Sensor“ höher schaltet, dass man bewusster lebt und das ist die Absicht von „Exerzitien im Alltag“. Solche Übungen zum Übertragen der Bibelstelle auf das eigene Leben bildeten den Hauptteil der „Exerzitien im Alltag“.
Die wirklich intensiven Abendtermine waren dann jeweils mit einem kurzen liturgischen Abschluss bei Kerzenschein gegen 21 Uhr zu Ende.
Bei den fünf Treffen ging es um folgende Themen:
1) Mir meiner Herkunft(sfamilie) bewusst werden mit all ihren positiven und negativen Elementen,
2) Getreu dem Motto der Tage „Und jetzt geh!“: Wohin breche ich auf?,
3) Wie mit (inneren) Widerständen umgehen?,
4) Wüsten – Erfahrungen: Ich komme nicht recht weiter in meinem Aufbruch,
5) Ungeahnte Hilfen auf dem langen Weg („Manna“),
6) Sortieren der Erfahrungen: Was behalte ich bei?, Was lasse ich zurück?
Besonders schön war die Eucharistiefeier zum Abschluss am Samstag, zu dem Pater Dominik Markl SJ an die Jugendstelle Pasing gekommen war. Gekrönt wurde der Abend von einem gemeinsamen Festessen, zum dem auch Partner einzelner Teilnehmerinnen kamen. Gut begleitet wusste sich die Exerzitiengruppe außerdem, weil sich zwei der Mitglieder aus dem Vorbereitungsteam während der Exerzitienwoche immer wieder erkundigten und in Gedanken während der Woche bei ihnen waren.
Trotz der verkürzten Anzahl der Treffen ist bei den Teilnehmerinnen ein guter geistlicher Prozess in Gang gekommen. Sie lernten einige Methoden kennen, die Ignatius von Loyola, der Begründer der Exerzitien, vorschlägt: Textbetrachtung mit allen Sinnen, Unterscheidung der Geister sowie das Gebet der liebenden Aufmerksamkeit. Darüber hinaus hatten die Teilnehmerinnen erste Berührungen mit der Methode des Bibelteilens, mit Meditation und dem Umgang mit inneren Widerständen. „Für fünf Tage eine ganze Menge an neuen geistlichen Methoden“, fanden sie. Der Wechsel zwischen dem Austausch in der Gruppe und den Erfahrungen mit sich selbst förderte klärende Prozesse. Außerdem übten die Teilnehmerinnen neu ein, wie sie mit dem eigenen Innenleben betend vor Gott kommen können.
All diese Erfahrungen haben den Teilnehmerinnen gut getan. Sicher gibt es an Form und Umfang der Treffen manches zu verändern, so dass noch mehr Jugendliche und Junge Erwachsene die Zeit finden, mit zu machen.
„Es war toll, neue Methoden gezeigt zu bekommen, wie es Spaß machen kann, mich mit mir selbst zu beschäftigen. Außerdem habe ich jetzt einen anderen Zugang zur Bibel und weiß, wie ich meinen Glauben im Alltag trotz allem gut leben kann.“ resümierte eine Teilnehmerin. So hat sich der Aufwand, die „Exerzitien im Alltag für Jugendliche“ durchzuführen, aus Sicht von Silvia Schwaiger voll und ganz gelohnt. „Es hat mir sehr viel Freude bereitet, die Teilnehmerinnen begleiten und ihre Fortschritte und Entwicklungen sehen zu dürfen.“
„Exerzitien im Alltag“ werden sicher wieder an der Jugendstelle Pasing angeboten. Davor gibt es im Januar 2010 ein Schweige-Wochenende, bei dem junge Erwachsene und Jugendliche ab 18 Jahren erleben können, was mit ihnen passiert, wenn sie 24 Stunden „einfach mal die Klappe halten“. Dabei werden sie von einem Priester, Kaplan Fabian Orsetti (Maria Schutz) und Silvia Schwaiger begleitet.